create a pure world

Interview mit Chefentwickler Dr. Carl Epple

Viele angeblich ökologische Druckfarben enthalten bei genauem Hinsehen trotzdem Inhaltsstoffe wie Mineralöl, gesundheitsbedenkliche Lösungsmittel oder Schwermetalle. Was macht PURe anders, als diese „Mogelpackungen“?

PURe ist mineralölfrei und darüber hinaus basieren die verwendeten Harze zu 100 Prozent auf natürlichen Substanzen, die ohne weitere chemische Modifizierung und Syntheseschritte auskommen. Wir verwenden weder Palm- noch Sojaöl, welche hauptverantwortlich für die Rodung von Regenwäldern sind. Zusätzlich verzichten wir bei PURe vollständig auf den Einsatz von Photoinitiatoren, Metalltrocknern wie Kobalt und andere Metallseifen. Somit ist PURe das reinste und nachhaltigste Farbsystem, das man derzeit einsetzen kann.

Mit PURe heben Sie sich ab von klassischen strahlenhärtenden Farbsystemen. Genau diese finden sich aber neben PURe auch in Ihrem eigenen Portfolio. Wie rechtfertigen Sie diese Ambivalenz?

Nach wie vor gibt es Anwendungen, wie zum Beispiel den Foliendruck, die technisch zufriedenstellend nur durch die UV-Härtung realisiert werden können. Aber neben dem Bedrucken von Kunststoff wird die Argumentationskette für strahlenhärtende Systeme zunehmend dünner – gerade im Hinblick auf die toxischen Einstufungen der Rohstoffe und die gesetzlichen Restriktionen bei deren Verwendung.

Haben Sie keine Sorge, mit einer Farbe, die sich deutlich gegen UV-härtende Systeme richtet, den eigenen Markt zu kannibalisieren?

Wir richten uns mit PURe nicht gegen UV. Wir bieten ein Farbsystem, das dem Zeitgeist und der zukünftigen Gesetzgebung folgt. Der Anwender, Brand Owner und Designer hat somit erstmals die Möglichkeit, durch seine Entscheidung einen persönlichen Beitrag zur Schonung der Umwelt und Ressourcen zu leisten. Das ist Nachhaltigkeit – im direktesten Sinn.

Massive Umweltschädigung durch Druckfarbe ist außerhalb der Branche kein Thema. Soll und wird es aus Ihrer Sicht auch eine politische und gesellschaftliche Relevanz entwickeln?

Das Interesse, auch Nischenbranchen zu hinterfragen, ist deutlich zu spüren. Schokoladenhersteller werben nicht mehr nur mit dem besseren Geschmack, sondern mit einem nachhaltigeren Anbau des Kakaos. Wenn wir wissen, dass wir ein Buch oder eine Broschüre in Händen halten, die mit kennzeichnungsfreier Farbe bedruckt ist, wird das ganz schnell zu einem persönlichen Thema. Die gesellschaftliche Bedeutung ist mit Sicherheit schon heute gegeben, und es sind bereits politische Auswirkungen zu spüren. So hat in der Schweiz der Kanton Luzern verfügt, dass keine öffentlichen Druckaufträge mehr mit UV-Technologie gedruckt werden dürfen.

Gute Vorsätze sind bekanntlich leicht zu formulieren. Beispiel Umweltpapier: Das Problem dabei war, dass es einfach nicht gut aussieht. Wie reagieren Sie auf den Verdacht, bei PURe könne es sich ebenso verhalten?

Der Eindruck, dass ökologisches Handeln mit Einschränkungen in Qualität und Optik einhergeht, mag bei anderen Produkten zutreffen. Bei unserer Druckfarbe PURe ist das in keiner Weise festzustellen – ganz im Gegenteil.

Ein Farbenhersteller als Ökoaktivist. Macht sich da nicht der Bock zum Gärtner?

Die historisch begründeten Meinungen dazu treffen auf Bogenoffsetfarben schon lange nicht mehr zu. Epple ist immerhin seit fast 30 Jahren Vorreiter auf dem Markt der mineralölfreien Druckfarben. Aber mit PURe heben wir diesen Ansatz auf ein vollkommen neues Level und gehen sogar mehrere Schritte weiter.

Für die Öffentlichkeit gilt die Faustregel: Öko kostet! Müssen sich Drucker, Designer oder Brand Owner den ökologischen Druck mit PURe teuer erkaufen?

Der Farbpreis hat im gedruckten Endprodukt einen Einfluss von deutlich weniger als fünf Prozent. Hier sind die Papier- und Produktionskosten schon immer die gewichtigeren Faktoren. Auch bei UV-Farben wurde unter dem Aspekt der sofortigen Trocknung der höhere Farbpreis akzeptiert. Bei PURe sprechen die ökologischen Vorteile neben der Kennzeichnungsfreiheit als Schutz für Anwender und Endverbraucher eine sehr viel deutlichere Sprache.

Wie schnell kann man sein System denn eigentlich umstellen, bevor man so richtig loslegen kann?

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass je nach Zustand der vorhandenen Hardware, also der Druckmaschine, Druckwalzen etc., bereits nach ein bis zwei Schichten die Produktion wieder voll aufgenommen werden kann.

Gibt es spezielle technische Voraussetzungen, die man vor der Installation des Systems erfüllen muss, oder kann man einfach den Stecker reinstecken und ab geht die Post?

PURe ist ein Produkt, das mit den bisherigen Farbsystemen rein chemisch nicht vergleichbar ist. Deshalb ist eine gründliche Reinigung aller durch Farb-, Feucht- und Waschmittel “kontaminierten“ Aggregate erforderlich. Dies findet immer mit Unterstützung eines erfahrenen Technikers von Epple statt. Die Unterstützung beginnt jedoch schon lange vorher: Sämtliche Mitarbeiter einer Druckerei – wie Vorstufe, Drucker, Helfer und natürlich auch die Vertriebsmitarbeiter – werden geschult und dabei auf die Vorteile des Systems hingewiesen.

Können Sie Garantien abgeben für die Richtigkeit der technischen Angaben, die Sie im Werbeprospekt anpreisen?

Alle Angaben, die über die technischen Eigenschaften kommuniziert werden, resultieren aus Labor- und Produktionserfahrungen. Außerdem werden Erfahrungen aus dem industriellen Einsatz bei unseren Kunden mit einbezogen. Neue Erkenntnisse und Erfahrungen fließen hier natürlich immer wieder mit ein.

Nun haben Sie mit PURe dieses revolutionäre, ökologisch nachhaltige Farbsystem auf den Markt gebracht. Das allein bewirkt ja leider noch kein Umdenken. Wie wollen Sie dies erreichen?

Wir stellen fest, dass wir neben Druckereien auch Brand Owner, Verlage und Agenturen direkt ansprechen müssen. Das Bewusstsein für ökologischen Druck ist zwar da, aber dass dies nun bis zur Druckfarbe möglich ist, muss erst noch in den Köpfen ankommen. Die ökologische Alternative ist da – nun werden wir sie gemeinsam nutzen.

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